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Wie das Apartheidregime deutsche Politiker und Journalisten beeinflusste

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beschreibt eine geschichtliche Epoche der staatlich organisierten Rassentrennung in Südafrika, die zwischen 1940 und 1990 ihren Höhepunkt fand. 
Der 10. Mai 1994 wird allgemein als Ende der Apartheid bezeichnet. An diesem Tag fanden die ersten freien Wahlen statt, und Nelson Mandela wurde zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt.

Apartheit steht auch für die Vertreibung von Millionen schwarzen Südafrikanern, deren brutale wirtschaftliche Ausbeutung, politische Entrechtung und alltägliche Rassendiskriminierung der schwarzen Bevölkerung durch die weiße Minderheit.
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Günther Verheugen zu den Dokumenten die Report Mainz vorliegen

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Günter Verheugen hat sich in den 80er Jahren intensiv mit dem Thema Apartheid befasst. In seinem Buch Apartheid - Südafrika und die deutschen Interessen am Kap kritisierte er schon früh das Verhalten der deutschen Regierung im Bezug auf Südafrika. REPORT MAINZ zeigt ihm die neu aufgetauchten Dokumente.

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Die Epoche der Apartheid

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1944

Gründung des ANC (African National Congress), Gründungsmitglied Nelson Mandela.

1948

Wahlsieg der National Party (NP).
Dies führte zur Etablierung eines Staates mit weißer Vorherrschaft.
Ab diesem Zeitpunkt begann die Rassentrennung und die Gründung von sogenannten "Homelands". Schwarze Menschen wurden zwangsumgesiedelt und zu "Staatsbürgern" der Homelands. Sie verloren damit ihre Rechte in Südafrika. Mischehen waren ab diesem Zeitpunkt verboten.

1960

21. März 1960 Massaker von Sharpeville
69 gewaltfreie Demonstranten werden im Township Sharpeville erschossen. Der ANC wird verboten.
Der UN-Weltsicherheitsrat verurteilt das Vorgehen scharf und verlangt ein Ende der Apartheid.

1962

Einrichtung eines Informationsministeriums: Die systematische Sammlung von Informationen beginnt.
Erste Kooperationen mit der deutschen Agentur Pro International in Hamburg.

1963

Nelson Mandela wird inhaftiert (bis 1990).

20.11.1963 Eine UN-Resolution verurteilt die Apartheid: Die Rassendiskriminierung verstößt gegen die Menschenrechte.

1966

Franz Josef Strauß reist nach Südafrika. Er gehörte zu den Verteidigern der Apartheid.

Der ehemalige Journalist Dr. Gerd Hennenhofer gründet einen “Dokumentarfilm-Vertrieb" und produziert Imagefilme für Südafrika. 

1971

Cornelius Mulder wird zum Informationsminister ernannt. Er und sein Staatssekretär Eschel Rhoodie bauen die Propagandaaktivitäten aus. Mulder verteidigt die Apartheid als alternativlos für Südafrika. (Klick für mehr)

1973

Nach dem Beitritt beider deutscher Staaten zu den Vereinten Nationen beginnt die Bundesregierung in Bonn mit der Konzeptionierung einer eigenen Afrika-Politik. Hans-Dietrich Genscher bringt sich in die Diskussion über die Namibia-Frage ein – so wird Südafrika zu einem politischen Thema.


1976

Schüleraufstand in Soweto (klick für mehr)

Zeitgleich wird die deutsche Agentur Hennenhofer PR beauftragt, Politiker, Kirchenvertreter und Journalisten zu beeinflussen.


1977

Die Vereinten Nationen verhängen mit der Resolution 418 ein Waffenembargo gegen Südafrika. 

Bangemann, Möllemann und weitere FDP-Politiker reisen im August  auf Einladung von Hennenhofer nach Südafrika. Das führt zu einem Streit innerhalb der FDP und mit dem damaligen Koalitionspartner SPD.
Die SPD hatte Reisen mit Hennenhofer generell abgelehnt und nimmt Kontakt zum ANC auf.
Insgesamt nutzen 57 Politiker, 49 Journalisten und 50 Vertreter aus EKD, Wissenschaft und Wirtschaft das Angebot von Hennenhofer PR.

1977-1979

Muldergate-Affäre
Es wird bekannt: Jahrelang hat der Informationsminister Connie Mulder Gelder am Parlament vorbeigeschleust, um sie in seine Propagandamaßnahmen zu stecken. 130 Propagandaprojekte führte er so durch. Der Skandal führt zum Machtwechsel in Südafrika. Premierminister Voerster muss abtreten. Neuer Premierminister wird Pieter Willem Botha (1978 - 1984).

1984

Premierminister Botha besucht Bundeskanzler Helmut Kohl in Bonn. (klick für mehr)
Gerhard Löwenthal berichtet im ZDF-Magazin wiederholt positiv über Südafrika. Er war selbst in diesem Jahr auf Einladung des Regimes dort. Gleichzeitig eskaliert die Situation im Land.

1985/86

Ausnahmezustand in Südafrika: es kommt zu massenhaften Verhaftungen und zu über 2000 Toten.
Der Comprehensive Anti-Apartheid Act des US-Kongresses führt zu wirtschaftliche Sanktionen gegen das Land. Deutschland unter Helmut Kohl kann sich nicht dazu durchringen, Sanktionen gegen das Regime zu beschließen. Damit ist Deutschland das Schlusslicht in der Welt. Trotz Waffenembargo werden illegal Pläne und Bauteile für deutsche U-Boote nach Südafrika geliefert.

1987

Pretoria will Hennenhofer PR das Budget von 1,2 Mio DM auf 400.000 DM pro Jahr kürzen. Er steigt deshalb aus.
Gerd Hennenhofer stirbt kurz darauf und die Agentur wird geschlossen.

1989

Norbert Blüm reist nach Pretoria und trifft sich mit Pieter Botha. Die beiden streiten sich.

1990

11. Februar 1990 
Staatspräsident Frederik de Klerk lässt Mandela frei und hebt das Verbot des ANC auf.

1994

10. Mai 1994
Erste freie Wahlen in Südafrika. Nelson Mandela wird der erste schwarze Präsident.

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Der Informationsminister Connie Mulder betreibt illegale Propaganda, gleichzeitig gibt er Interviews, auch im deutschen Fernsehen: hier Originalton aus dem Film "Die zwei Gesichter der Apartheid" von Jochen Waldmann. Mulder rechtfertigt die Politik der "getrennten Entwicklung".

Muldergate-Affäre
Zusammen mit seinem Staatssekräter Eschel Rhoodie schleust Mulder Millionen am Parlament vorbei, um sie in seine Propagandamaßnahmen zu stecken. 130 Propagandaprojekte führt er so durch. Der Skandal führt zum Machtwechsel in Südafrika und Mulder muss zurücktreten.

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Ab Juni 1976 demonstrieren in Soweto Schüler und Studenten unter anderem gegen das Afrikaans Medium Decree (1974). Danach sollte Afrikaans als einzige Unterrichtssprache in den Schulen eingeführt werden. Afrikaans war die Sprache der weißen Oberschicht und wurde von Schwarzen nicht gesprochen. Die Schüler sehen sich ihrer Chancen auf Ausbildung beraubt.
Die Demonstrationen werden brutal niedergeschlagen über 500 Menschen sterben. Das Bild des tödlich verletzten Hector Pieterson geht um die Welt - wird zum Symbol für die Gewalt gegen die schwarze Bevölkerung.
Daraufhin verhängt die UN Sanktionen gegen Südafrika.

Etwa zeitgleich wird die deutsche Firma Hennenhofer PR damit beauftragt, PR für das Regime zu machen.

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Es ist ein Medienspektakel: Kohl lässt vor den Kameras das Sofa heraustragen und distanziert sich öffentlich von Botha. Jahre später wird vermutet: Hinter verschlossenen Türen vereinbart Kohl mit Botha einen illegalen U-Boot-Deal.


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Propaganda

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Er produziert mit Hennenhofer zusammen Propaganda-Filme für Südafrika, unter anderem ein Film mit dem Titel "Apartheid - das große Ärgernis". Auszüge aus dem Exposé, das Report Mainz vorliegt, zeigen die Zielsetzung der Filme: 
Es soll gezeigt werden, dass „Apartheid für Südafrika die einzige Alternative ist“ und „Es wird deutlich gemacht, dass Apartheid nicht Rassendiskriminierung bedeutet“. 
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Der ZDF-Journalist Löwenthal reist sogar als Staatsgast für Dreharbeiten nach Südafrika. Geheimdokumente zeigen: Pretoria nimmt über Löwenthal Einfluss auf zwei Berichte im ZDF-Magazin. Diese werden im Umfeld des umstrittenen Treffens von Premierminister Botha mit Bundeskanzler Kohl in Bonn im Juni 1984 gesendet. 

In einer Geheimakte zu Löwenthal in Südafrika entdeckt der Historiker Andreas Kahrs Jahrzehnte später eine handschriftliche Notiz, dass die Sendungen von Löwenthal "garantiert positiv" ausfallen würden. 
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Ausschnitt aus dem ZDF Magazin vom 06.08.1986

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Löwenthal spricht sich aktiv gegen Sanktionen gegen Südafrika aus.

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Der Historiker forscht an der Humboldt-Universität Berlin. Es ist ihm gelungen, den gesamten Nachlass der Firma Hennenhofer auszuwerten. Dieser galt lange Zeit als verschollen und ist nun bei der „Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts“ archiviert. Diese Unterlagen konnte Kahrs mit geheimen Dokumenten aus südafrikanischen Archiven abgleichen. So wird zum ersten Mal das komplexe Bild des deutschen Netzwerkes im Dienst der Apartheid sichtbar.

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Agenturleiter Dr. Gerd Hennehofer wird 1975 angesprochen, mit der Bitte, ein ausgefeiltes PR-Konzept für Südafrika zu entwickeln. Ziel ist es, dieses "Overall-Concept" aus Deutschland später auch auf andere Länder zu übertragen. 
Ein Kern des Konzepts sind Reisen für Meinungsbildner - Journalisten, Politiker und Kirchenvertreter. Rund eine Millionen DM lässt sich die südafrikanische Regierung dieses Programm pro Jahr kosten. Man will gezielt die Berichterstattung in Deutschland zum Positiven hin manipulieren.
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1977 reist eine Gruppe prominenter FDP-Politiker um Martin Bangemann und Jürgen Möllemann als eine der ersten mit Hennenhofer nach Südafrika. Sie lassen sich einladen, treffen vom Regime ausgewählte Gesprächspartner und sogar den Premierminister. Sie gehen auf Safari im Krüger-Nationalpark. Rund 12.500 DM kostet so eine Reise pro Person.
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Originalton Martin Bangemann aus dem Beitrag von "Monitor"

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Als einer der Ersten reist der FDP-Politiker zusammen mit seinem Parteikollegen Jürgen Möllemann nach Südafrika. Das ARD-Politikmagazin Monitor begleitet die beiden auf der Reise. Später wird Bangemann Wirtschaftsminister und Sanktionsgegner. Auf die Nachfrage des Monitor-Teams verteidigt er die Organisation der Reise.

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Im Archiv der Anti-Apartheid-Bewegung in Duisburg lagern alle Akten der Bewegung. Sie hatte schon früh einen schweren Verdacht: Demnach führte das Regime einen ausgefeilten Propagandakrieg und konnte so Isolation und Sanktionen lange verhindern.

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